(0|0|0) ist der Nullpunkt im Koordinatensystem. Aber der Nullpunkt ist nicht Null im Sinne von Nichts, er ist der Ursprung. Von dort aus geht es in alle Richtungen unendlich weiter. Unendlich viele Punkte gibt es so in diesem Koordinatensystem (x|y|z), die miteinander verbunden werden können und sich so in irgendeiner Art und Weise zueinander verhalten.

Wenn ich das auf das Leben übertrage, so sind wir vielleicht alle gewissermaßen Nullpunkte, (0|0|0), Ursprünge für unser Koordinatensystem in dieser Welt. Im Laufe unseres Lebens setzen wir aus der Menge aller Möglichkeiten Punkte auf das Raumraster - Orte, die wir besuchen, an denen wir verweilen; Menschen, die unseren Weg kreuzen, ihn begleiten; Gegenstände, die für uns einen Wert haben, die auch verweisen können auf etwas, auch nicht materielles.

Vor etlichen hunderten Jahren, haben Menschen nachts in den Himmel geblickt und die leuchtenden Punkte, die sie über sich sahen, zu Konstellationen verbunden, haben ihnen Namen gegeben, die bis heute nachhallen. Der Blick in den Nachthimmel scheint eine Konstante zu sein, aber das ist ein Trugbild. Sterne, die wir heute sehen gibt es vielleicht schon längst nicht mehr - das Licht braucht Zeit, um zu reisen. unser Universum verändert sich. Bewegung.

Auch meine Welt verändert sich. Sie ist im Fluß. Ich lerne Neues kennen, löse mich von Anderen, treffe Entscheidungen, wähle Wege, alleine, miteinander. Ich verbinden, verknüpfen, verwebe die Dinge, die in mein Leben treten. Es entstehen immer wieder neue Konstellationen, Beziehungen, Räume, Gefüge. Resonanz. Sichtbarer Ausdruck dessen ist vielleicht meine Welt in ihrer kompimiertesten Form. Das war lange Zeit einmal ein Koffer, heute ist es eine Wohnung.

Meine Wohnung hat vier Fenster und eine Tür, aber eigentlich ist das falsch. In meiner Wohnung gibt es unzählige Fenster und Türen, Übergänge, durch Raum und Zeit, zu anderen Räumen. Es gibt sie auf meinem Fensterbrett, an meinem Wamschbecken, im Regal, unter dem Bett, in Nischen; Sie sind sichtbar oder gut aufbewahrt: verpackt in Gläsern, Kästchen und Schachteln, archiviert oder wild durcheinander. Andere exisieren nur noch mehr als Nachhall in meinen Erinnerungen. Auch das gibt es.

Die Nabelschnur. Sie verbindet uns noch bevor wir einen Herzschlag machen, mit einem Menschen. Sie ist unsere erste Verbindung in und mit der Welt. Sie versorgt uns mit all dem, was wir brauchen um uns zu entwickeln. Jede Verbindung, die wir eingehen, bringt etwas in unser Leben. Anstöße, Anregungen, Impulse. Wir nehmen sie auf, setzen uns mit ihnen auseinander, lassen sie wirken, verarbeiten sie, entwickeln sie und uns weiter. Das ist aber kein abgeschlossener Prozess und auch keine Einbahnstraße.

Im Wörterbuch stehen, alphabetisch geordnet, Wörter. Es ist wie eine Gebrauchsanweisung. Gut strukturiert sind darin die Bedeutungen jedes Wortes festgehalten, ihre Schreibweise, Aussprache und wie sie eingesetzt werden sollen und können. Aus der Gesamtheit der Wörter entsteht eine Sprache. Begriffe werden repräsentiert durch Wörter, aber sie lassen sich nicht mit einer allgemeingültigen Definition fassen. Es sind in sich Ideen, Gedanken, Fragen, Auseinandersetzungen, Verhandlungen, Diskussionen - im Prozess und mit anderen. Aus verschiedenen Perspektiven begreifen, befühlen, ertasten, erkunden wir, die Beschaffenheit der Welt.

Im Laufe der Zeit sind einige Begriffe in meine Welt gekommen. Andere habe ich sie gesucht und gefunden, über wieder andere bin ich gestolpert und nicht selten zog ein Begriff den nächsten und den nächsten und wieder den nächsten nach sich. Aus vielen Begriffen entsteht etwas ähnliches wie eine Sprache: eine Haltung zu der Welt.