B E W E G U N G


Code Delphi. Start here. Ich sitze in der Bahn und bewege mich. Ich sitze in der U-Bahn, in der Tram, dem Taxi und dem Bus und ich bewege mich. Fort. Ich bewege mich hin zu einem anderen Ort, einem anderen Zustand. Ich sitze und bewege mich. Vor dem Fernseher, am Computer, am Telefon. Mein Leben findet zum großen Teil im Sitzen statt. Im sitzen rasen Kulissen, Orte, Zustände an mir vorbei. Verweilen ist flüchtig. Flucht.nach.vorn. Code Delphi. End here.

 

 

G E S C H I C H T E N   E R Z Ä H L E N


"Man steht sehr bequem zwischen allen Fronten" (Christa Wolf)

 

Code Delphi. Start here. Geschichten erzählen war für mich - und ist es immernoch - ein Zwischenraum; Eine Nische, in der ich mich wohl fühle, mich nicht verbiege(n muss), beweglich und frei bin.
     Es gibt so viele Türen, durch die man durchgehen kann: Gruppierungen, Strömungen, Bereiche, Disziplinen, Arbeitsfelder, denen man sich anschließen, die man wählen kann, aber ich denke, dass ist was ich nie konnte: zu einer "Gang" dazu zu gehören.
      Jedes Mal, wenn ich eine Tür öffnete und eintrat, lag eine neue Welt der Möglichkeiten mir zu Füßen. Auf den ersten Blick (der ist ja oft magisch diffus und anziehend). Mit der Zeit aber wurden die Konturen klarer, aber auch die Spielregeln, Konventionen, Grenzen und Korsette, die man in Kauf nehmen muss, lässt man sich ganz darauf ein. Und oft, viel wichtiger, ist eine Entscheidung für etwas auch eine Absage für etwas anderes. Und dieses binäre System, das will mir nicht so recht einleuchten.
      Auch wenn der Ruf nach Synergieeffekten und Verknüpfungen, transmedial und transdisziplinär, anscheinend immer lauter wird, kommt es mir, heute wie damals, doch so vor, als würden die Territorien aufmerksam bewacht.
     Ich denke, aus diesem Grund entscheiden sich auch Menschen Kunst zu machen, oder Künstler zu sein. Es ist eine Entscheidung Grenzen zu übertreten, zu experimentieren, zu spielen, aus verschiedensten Quellen zu schöpfen, die Puzzlestücke, die um uns herum liegen, neu zusammenzusetzen. Aber auch die Kunst ist imho ein abgeschlossenes Territorium, mit seinen Grenzsetzungen und Grabenkämpfen.
      Geschichten erzählen aber ist anders. Geschichten erzählen sprengt die Grenzen zwischen den Territorien, weil es selber keines ist. Geschichten erzählen ist etwas widerspenstiges, altes, nomadisches das niemandem und allem gehört, das sich überall zuhause fühlt, aber nirgendswo Fuß fasst: in der Kunst, im Journalismus, in der Wissenschaft, der Philosophie, dem alltäglichen Leben. Code Delphi. End here.

 

36
 

G E S C H I C H T E ( N )


Was bedeutet es eine Geschichte zu erzählen?

 

"It was the story that mattered, that was what he had been telling her. Porcupine, Mantis - they were not just quaint foolktales, but ways of seeing things. They were a story that gave life order, that taught the universe how to speak the words that humans could understand." (Otherland, Tad Williams)

 

 

S P R E C H E N


Code Delphi. Start here. Es ist so laut. Ich dachte es läge an der Lautstärke, aber es ist die Geballtheit von Sprache, der nicht enden wollende, kontinuierliche Beschuss von Aussagen, Behauptungen, Meinungen, Ideen. Als ob wir den "." vergessen hätten. Die Ruhe scheint fatal, gefährlich. In der Ruhe, dem ".", der Pause liegt das Ausruhen, das Nachdenken, das Reflektieren. Das "," ist keine Pause, nur ein Trenner einer Sinneinheit, die schon die nächste nach sich zieht. Der "." und das "," : Pause und Beschleunigung. Und dann der "-" variabel in seiner Länge. Flatline. Vor lauter Sprache geht das Zuhören verloren. Die einzelne geht unter, im weißen Rauschen der vielen Stimmen. Anstelle des Dialogs tritt der multiple Monolog. Unverstanden das Geschrei. Code Delphi. End here.
 

 

W E B E N