Ich sitze in der Bahn und bewege mich. Ich sitze in der U-Bahn, in der Tram, dem Taxi und dem Bus und ich bewege mich. Fort. Ich bewege mich hin zu einem anderen Ort, einem anderen Zustand. Ich sitze und bewege mich. Vor dem Fernseher, am Computer, am Telefon. Mein Leben findet zum großen Teil im Sitzen statt. Im sitzen rasen Kulissen, Orte, Zustände an mir vorbei. Verweilen ist flüchtig. Flucht.nach.vorn.
Im Deutschen werden die Verben der Bewegung im Perfekt mit "sein" gebildet. Ich bin gegangen, ich bin geflogen, ich bin gehetzt, ich bin gewandert, ich bin spaziert, ich bin flaniert, ich bin geboren, ich bin gestorben. Und ich muss an Tarkovskys Stalker denken:

"Möge sich erfüllen, was begonnen wurde. Mögen sie daran glauben und ihre Leidenschaft verlachen. Denn das was sie Leidenschaft nennen ist in Wahrheit nicht seelische Kraft sondern die Reibung zwichen der Seele und der äußeren Welt. Und vor allem, mögen sie an sich selbst glauben und hilflos werden wie Kinder. Denn Schwäche ist etwas Großes und Stärke gering. Wenn ein Mensch geboren wird ist er shwach und biegsam. Wenn er stirbt, ist er fest und hart. Wenn ein Baum jung ist, ist er zart und biegsam, aber wenn er trocken und starr wird, stirbt er. Härte und Stärke sind Gefährten des Todes. Biegsamkeit und Schwäche bekunden die Frische des Seins. Deshalb kann nichts siegen, was verhärtet ist."

Biegsamkeit ist eine Fähigkeit sich zu verändern, flexibel zu sein, zu reagieren, in der Lage sein sich zu bewegen. Jede Veränderung ist eine Art von Bewegung. Nicht nur körperlich, auch geistig. In der Hinsicht gibt es viel mehr Wörter der Bewgegung, als die Grammatik sie kennzeichnen mag.