Das erste was ich sehe, wenn ich die Treppe des U-Bahnhofes nach oben in den Stadtraum steige, sind Häuser: Betonklötze, riesige Wohnkomplexe, mehrstöckig, neben Altbauten. Über die Jahrzehnte wurde verschiedenstes um den Platz herum gebaut. Eine wilde Mischung aus Baustilen und Farben. Weiß, grau, gelb, ochensblutrot, metallgrau, weiß-grau gestreift, lila, grau, grau grün, orange - so viel grau. Und auch wenn augenscheinlich jedes für sich steht, haben sie sich mit der Zeit zu einem Ganzen verwoben.

Der Kotti ist eine Ansammlung von Dingen, die oft scheinbar nicht zusammenpassen und zusammengehören. Und doch oder gerade deshalb. Verschiedenste Menschen leben über-, neben-, unter-, gegenüber von- und parallel zueinander, miteinander an diesem Ort. Wie einzelne Fäden, die sich im urbanen Raum treffen, umschlingen, kreuzen, umgarnen, verwickeln, verknüpfen.

Mit künstlerischen Mitteln und Methoden schaffen wir miteinander große Bilder, aber eigentlich geht es um etwas anderes. Wir bringen verschiedene Perspektiven und Stimmen - Fäden - zusammen, verknüpfen sie, weben auf diese Weise miteinander an unserem sozialen Gefüge, (wie passend, dass Gefüge im Englischen mit "fabric", Stoff, übersetzt wird).
Ich führe einen Faden durch das Fadengitter - darüber, darunter, darüber, darunter, darüber, darunter. Ich kämme ihn glatt und ändere die Richtung. Ich führe den Faden wieder durch das Fadengitter jetzt - darüber, darunter, darüber, darunter, darüber, darunter. Ich wiederhole diesen Vorgang, immer wieder, Bahn für Bahn.

Für eine Bahn brauche ich immer etwas Zeit. Wenn ich hetze, verliere ich schnell den Faden, verheddere mich. So wächst langsam das Geweb(t)e. Dinge brauchen Zeit. Und ich muss an uns und unseren Stadtraum denken. Gemeinsam ein soziales Gefüge zu gestalten braucht auch Zeit. Es ist ein kontinuierlicher Prozess, den man nicht hetzen kann, denke ich. Der wachsen muss, wie der Stoff, den ich gerade webe.